Kann jemand mit Sprechblockaden zur Kommunikationstrainerin werden?

Christine Winter beweist uns: „Ja!“ Sie litt als Kind bis ins Erwachsenenalter hinein unter solchen und hat es dennoch geschafft, Kommunikation zu ihrem Beruf zu machen.

In diesem Interview gibt sie uns Einblicke in ihren Lebensweg und wie sie es selbst geschafft hat, ihre persönlichen Hürden zu überwinden. Auch wie sie sich heute beruflich an das Überwinden von Sprechblockaden mit ihren KundInnen annähert, zeigt sie uns (und das war für mich persönlich natürlich besonders inspirierend).

Ein Interview für jeden finde ich, denn in uns allen steckt doch manchmal die ein oder andere (mentale) Blockade. Hier gibt es Anregungen, wie du da drüber hinweg kommen kannst.

Hör rein!

 

ÜBERBLICK: In dieser Folge erfährst du …

  • Was stille Menschen auszeichnet
  • Warum das Konzept „Komfortzone verlassen“ für stille Menschen gefährlich sein kann und wie es besser gehen kann
  • Was Christine und ich mit einer „Krüke“ meinen und wofür sie dir bei deinem Sprechen helfen kann
  • Wie Christine sich mit Stiften auf ihre Trainings und Präsentationen vorbereitet

SHOWNOTES: Die Links zur Folge …

 

Für Leseliebhaber … – Das Interview als Transkript

Steffi Schwarzack: Hallo und willkommen zu dieser aktuellen Folge von „Zeig dich und sprich“. Ich freue mich sehr meine aktuelle heutige Interviewpartnerin zu begrüßen. Es ist eine Ausnahme, eine Ausnahme deswegen, weil sie bisher die erste und einzige Interviewpartnerin ist, die ich bisher nicht persönlich kennengelernt habe. Ich hoffe, dass wir das irgendwann noch nachholen. Aber sie ist mir vor allem eben online aufgefallen als jemand, der mit einem Thema rausgeht, was ich sehr, sehr spannend finde und wo ich mich gefragt habe, was steckt denn in der Biografie drinnen? Und deswegen habe ich sie eingeladen, hier mit uns gemeinsam ihren sprecherischen Lebensweg mal zu teilen und ich freue mich, dass du da bist. Hallo, Christine Winter.

Christine Winter: Hallo, ich freue mich auch, dass ich da bin und ich teile sehr gerne ein Stück von meinem Weg, weil ich glaube, dass das für viele Leute egal, wie sie mit Sprechen kämpfen, vielleicht ganz hilfreich ist zu sehen.

Steffi Schwarzack: Genau. Schön. Ja. Dann fangen wir doch einfach damit an, dass du ein bisschen erzählst, wo stehst du denn heute? Was machst du? Was machst du auch sprecherisch? Wer bist du?

Christine Winter: Ich bin Christine Winter und ich bezeichne das, was ich mache, als Trainerin für stille Stärken, weil ich auf der Suche war nach etwas, was so alles, was ich mache, mit umfasst und mir liegen die Menschen, die sich für zu still halten oder auch tatsächlich auch zu still sind, sehr am Herzen. Deswegen ist das Projekt stille Stärken entstanden erst als Blog und mittlerweile als ein Sammelbegriff für vieles, was ich mache. Ich helfe Leuten bei Themen rund um Kommunikation und um ihre persönliche Entwicklung und zwar einerseits als Dozentin und Hochschullehrerin mit Auszubildenden, mit Studenten und auch mit Leuten in der beruflichen Fortbildung. Das heißt, da stehe ich sehr viel sprechend vor Gruppen. Ich arbeite als Coach mit Leuten, die sich weiterentwickeln möchten. Häufig sind das Leute, die irgendwo Blockaden empfinden und über diese Blockaden hinweg möchten und eben, weil es mir aus meiner eigenen Geschichte heraus ein Anliegen ist, arbeite ich auch als Unterstützerin und quasi so als Sprecherin für Menschen, die Sprechblockaden haben oder die sich für still halten, egal wie berechtigt dieser Eindruck dann ist oder nicht.

Steffi Schwarzack: Ja, das ist spannend, weil du hast jetzt mindestens schon zweimal darauf hingewiesen, dass man zu still ist oder sich dafür hält. Das finde ich ganz spannend, vielleicht erklärst du das noch ein bisschen genauer. Wo ist denn der Unterschied? Kann es sein, wenn ich jetzt irgendwie in einer Gruppe und nichts sage, dass ich trotzdem nicht still bin?

Christine Winter: Da spielt eben meine eigene Geschichte eine ganz große Rolle. Ich bin als Kind sehr, sehr still und unauffällig gewesen. Im Kindergarten hat man nie was von mir gehört, auch in der Grundschule war ich zwar immer aufmerksam beim Stoff dabei, aber ich habe nie was gesagt und wenn man dann älter wird, dann kommt so langsam natürlich die Forderung der Umgebung, dass das so nicht geht, dass man sich mehr rauswagen muss, dass man eben zu still wirkt. Damals in meiner Schulzeit war das noch so, dass die Lehrer das sehr gut toleriert haben, da gab’s wenige Referate oder ähnliches, wo man über seinen Schatten springen musste gezwungenermaßen. Aber selbst dann habe ich mich irgendwie um diese Veranstaltungen gedrückt, also ich war auch bei meiner eigenen Abschlussprüfung mündlich einfach nicht anwesend, weil ich gewusst habe, ich kann es nicht. Ich konnte nicht vor Lehrern sprechen, die ganze Schulzeit durch nicht, ich konnte auch kaum jemals vor der Klasse sprechen, wenn überhaupt, dann in halben oder dreiviertel Sätzen, also dass jemand mal von mir vor der Klasse einen ganzen Satz gehört hat, war glaube ich soweit ich es erinnern kann, sehr, sehr untypisch. Dann hört man natürlich ständig und ein Leben lang, man wäre zu still. Deswegen trenne ich das jetzt immer so ein bisschen, wie bekommt man es von außen gespiegelt und wie ist es tatsächlich, weil ich hatte auch Lebensbereiche, wo ich keineswegs still war, gerade in der Familie war ich eher zu laut und zu altklug und zu dominant und das war bei mir sehr situationsabhängig. Ich habe dann viel, viel später vor einigen Jahren erfahren, dahinter steckt eine psychische Erkrankung, die nennt sich selektiver Mutismus und selektiv mutistisch heißt, eben in bestimmten Lebensbereichen schweigend, mutistisch und in anderen Lebensbereichen aber ganz normal. Und vor diesem Hintergrund ergibt sich bei mir die Trennung zwischen, ist man tatsächlich zu still, solche Menschen lerne ich eher selten kennen, oder hat man von der Umgebung gespiegelt gekriegt, man wäre zu still und ist eigentlich im Rahmen seiner Möglichkeiten völlig normal?

Steffi Schwarzack: Ja spannend. Es gibt, also in unserer Gesellschaft heutzutage und im Unternehmertum natürlich noch viel mehr, ist es natürlich eine wichtige Voraussetzung, dass man eben auch in diese Selbstpräsentation geht. Ich weiß nicht, wie du das erlebst, und das fängt schon, dass jetzt, ich weiß zumindest in Bayern im Lehrplan der 2. Klasse geht das schon los, dass die Kinder Referate halten und vor anderen reden und da steckt natürlich immer Informationsweitergabe drinnen, aber auch der Aspekt des „Wie stelle ich mich dar?“, so eine Selbstdarstellung ein Stück weit. Wie siehst du das? Ist das gefordert, muss man das können oder kann man auch irgendwie so heutzutage noch durch das Leben damit gehen, auch wenn „still“ ist? Es ist ja auch ein wichtiger Zug, der auch seine Stärken hat.

Christine Winter: Ich finde es durchaus sinnvoll, wenn man von Anfang an gefordert wird, sich da weiterzuentwickeln, denn die Umwelt verlangt das ein Stück weit. Die Umwelt hat es bei mir dann irgendwann auch, spätestes in der Berufsausbildung verlangt. Ich war bloß vorher nicht gefordert, mich damit wirklich auseinanderzusetzen. Ich glaube schon, dass die Möglichkeit sich da schon relativ jung zu entwickeln, wichtig ist in unserer Zeit. Der Punkt ist allerdings, dass vielen Kindern und Jugendlichen signalisiert werden, dass sie alles falsch machen, was sie da so machen. Das heißt, das Feedback, das man dann kriegt, wenn man sich schwertut, behindert bei vielen, die ich jetzt als Jugendliche zum Beispiel am Anfang ihres Studiums kennenlerne, dass die dann noch rausgehen. Nicht, dass sie es von Anfang nicht konnten so wie ich, sondern weil sie unterwegs gelernt haben, dass alles, was sie bisher probiert haben, falsch war. Und das finde ich dann sehr, sehr traurig, wenn die Schule im Endeffekt verhindert, dass die Leute was aus sich machen. Deswegen, wenn ich mit Studierenden arbeite, ist meistens unsere erste Übung, sich hinzustellen und einfach mal so zu sprechen, als ob man noch nie was davon gehört hätte, wie es eigentlich gehen sollte. Oft ist in dieser kleinen Übung dann schon ganz, ganz klar sichtbar, die können es, und man braucht dann einfach nur nochmal den Schritt dahin, dass sie es auch wieder machen. Und das finde ich im Moment bei dem Schulsystem, das da sehr fordernd ist, ein bisschen schwierig, weil halt die Fehlerkultur in der Schule sehr dominant ist und man damit vielleicht über einen oder anderen, der eh schon über seinen Schatten springen muss, ein bisschen die Freude am Reden nimmt.

Steffi Schwarzack: Jetzt gehen wir mal einen ganz anderen Weg. Ich schmeiße meinen Plan gerade daneben, weil du mir andere Wörter gibst. Jetzt hast du gerade gesagt, dieses über den Schatten springen, wie schafft man dann das denn gut, wenn man sozusagen sagt, das fällt mir jetzt nicht so leicht. Ich habe auch immer wieder mit Leuten zu tun, die vielleicht jetzt gar nicht von sich so unbedingt sagen würden, ich habe eine Sprechblockade, irgendwie so benannt, aber die sagen, ah, ich traue mich nicht oder das Lampenfieber oder so richtig will ich da nicht dran, aber jetzt merke ich als Selbstständige muss ich. Wie ist denn so dein Tipp, deine Herangehensweise, dass man so ein bisschen über diesen Schatten rausgehen kann?

Christine Winter: Ein Gedanke, der mir immer ganz wichtig ist, auch wenn ich mit anderen Leuten arbeite, ist, einfach ausprobieren, was geht und wenn es funktioniert, mehr davon machen. Wenn was nicht funktioniert, egal wie prominent das momentan irgendwo von irgendeinem Trainerkollegen dargestellt wird, es einfach auch wegzulassen. Einfach, da kommt der „Stille Stärken Gedanke“ wieder bei mir ganz stark durch, einfach auch das zu machen, wo man seine Stärken vielleicht noch nicht hat, aber wo man seine Stärken entwickeln kann. Das ist für mich so das Allererste, was ich versuche den Leuten mitzugeben. Jeder von uns darf so sein, wie er ist. Mein Lieblingsspruch dazu ist: Sei du selbst, lass die anderen anders sein.

Steffi Schwarzack: Ja, den hast du auf deiner Homepage glaube ich?

Christine Winter: Der kommt bei mir fast in jedem Text irgendwo …

Steffi Schwarzack: Ja genau.

Christine Winter: gegen Ende vor, weil ich den so unglaublich wichtig finde und weil der mir auch so sehr geholfen hat. Als ich erfahren habe, dass ich so sein darf wie ich bin, hatte ich meine Blockaden mehr oder weniger schon abgelegt, weil klar war, die sind da, die gehören zu mir, aber das ist nicht das, was mich ausmacht. Sondern ausmachen tut mich das, was ich sonst alles noch kann und seitdem ich das in den Vordergrund gestellt habe, hatte ich nie wieder eine Blockade.

Steffi Schwarzack: Wunderbar. Das heißt, du sagst nicht, ich soll jetzt die Situation, öffentlich Sprechen, meiden, Video-Podcast, Interview, was auch immer, sondern einfach eben sozusagen ein Stück weit diesen Gedanken rausnehmen, es gut zu machen, das hast du so nicht ausgedrückt, aber das steckt für mich so ein bisschen da drinnen, sondern einfach zu sagen, ich mache das, wie ich das gerade eben kann und mache und fertig, aber ich mach’s.

Christine Winter: Genau. Das ist tatsächlich so und ich habe das Glück im Moment, dass ich relativ viele junge Leute erlebe, wenn die zum ersten Mal sich bewusst damit auseinandersetzen Präsentationen zu halten. Die mussten in ihrer ganzen Schulzeit etliche Referate und ähnliches halten und kommen dann als Studienanfänger zu mir ins Seminar und dort gebe ich denen wirklich den Rahmen, alles auszuprobieren, was sie bisher sich nicht getraut haben, weil sie dachten, sie müssten es so machen wie alle. Da sind Talente drunter, das ist faszinierend, ich habe insgesamt nur 16 Stunden mit diesen Gruppen zur Verfügung und es ist faszinierend, was da manchmal draus entstehen kann, wenn die einfach die Erlaubnis haben auszuprobieren. Und ein kleines Publikum und da kommt dann auch der 2. Punkt, der mir ganz wichtig ist, ein kleines Publikum, das die positiven Dinge sichtbar macht. Also Feedback nicht im Sinne von, was ist alles falsch und wie viele Ähms waren zu viel und ähnliches, sondern wirklich Feedback im Sinne von, das hat mir gut gefallen, mache doch noch ein bisschen mehr in diese Richtung. Wenn man die Möglichkeit hat, Feedback zu bekommen, würde ich auch den Leuten, die Feedback geben, sagen, ich möchte alles Positive hören und die Fehler lassen wir einfach bei diesem Feedback raus. Und dann, wenn jemand etwas anmerkt, was nicht gepasst hat, lässt sich fast nicht vermeiden, zu sagen: Hat es gestört? Hat es meinen Vortrag, hat es meine Präsentation, hat es das Gespräch gestört? Ganz oft werden Dinge angemerkt, die irgendwie waren und wenn man dann nachfragt „Hat es gestört?“, sagt derjenige, nein, überhaupt nicht. Ich war so vom Thema gefangen, dass da Ähms waren, dass da Hänger waren, dass da das Konzeptblatt runtergefallen ist, hat mich überhaupt nicht gestört, war halt so. Und das ist für mich die wichtigste Information an der Stelle, wenn was Kritisches kommt und es hat nicht gestört, dann hat es nicht gestört.

Steffi Schwarzack: Okay. Das mit dieser Fehlerkultur, das steckt da ja auch drinnen?

 Christine Winter: Ja.

Steffi Schwarzack: Wir sind natürlich darauf geeicht Fehler rauszusuchen. Das ist glaube ich auch ganz spannend, ich erlebe auch, dass Leute auch in meine eigenen Präsentationstrainings hineinkommen und das verlangen. Sie verlangen nach diesen kritischen Aussagen und zwar so ein Stück weit unter dem Motto: Jetzt gebe ich es mir nochmal irgendwie. Weil sie es selber so gewohnt sind, dass man das so macht, dass dieses positive Bestärken auch zum selben Ziel vielleicht führt, das sehen selbst viele Teilnehmer bei mir gar nicht.

Christine Winter: Ich war bei mir selber, in meinem Entwicklungsprozess, auch unglaublich fehlerfixiert, weil ich einfach nicht wusste, dass es andere Möglichkeiten gibt. Ich glaube, dass ich dadurch viel, viel länger gebraucht habe, weil es war die ganze Zeit mein Fokus auf dieser Blockade, die ich nun mal habe. Die ist, auch wenn sie heute nicht mehr auftritt, immer noch in mir drin, und solange ich mich drauf fixiert habe, diese Blockade nicht haben zu wollen, war mein ganzes Leben beschränkt auf diese Blockade. Dass ich in eine Situation komme, vor Menschen stehe, das, was ich sagen möchte, bei mir im Kopf ist und nicht rauskommt. Das war über Jahre ab Teenager-Zeit bis weit in die 20er rein war das quasi mein Lebensthema und hätte mir irgendjemand dabei geholfen, dieses Lebensthema neben den ganzen anderen Lebensthemen zu stellen und nicht in den Vordergrund, glaube ich, wäre es schneller gegangen. Das ist so ein bisschen die Überzeugung von mir, warum ich sage, Fehler helfen nicht weiter, jedenfalls nicht, wenn man über seinen Schatten springen muss. Fehler helfen dann weiter, wenn ein Profi sagt, und jetzt feile ich noch an den letzten 10 oder 20 Prozent. Dann macht es durchaus Sinn mit diesen Leuten daran zu arbeiten, dass sie nicht die Fehler wegmachen, weil dann sind sie wieder auf den Fehler fixiert, sondern dass sie Alternativen finden, die noch besser funktionieren. Aber zunächst für denjenigen, der sich schwertut, hilft’s überhaupt nichts, wenn ich die Fehler raus hebe.

Steffi Schwarzack: Ich hatte auch mal, wenn ich das hier anmerken darf, einen Ausbilder, eine Ausbilderin vielmehr, die sprach immer: Du kannst den Leuten nicht ihre Krücke wegnehmen, wenn du ihnen nicht einen anderen Stock oder so in die Hand gibst vorher. Was sie damit meinte, ist, dass ich erstmal die Dinge, die gut sind, wirklich bestärke, dass es sie trägt, egal ob ich an der Stimme arbeite oder an was anderem auch und dann kann man gucken, ob sie dann vielleicht immer noch dieses Verhalten loslassen können, was sonst vielleicht noch ist, was eben diese 20 Prozent vielleicht noch ablenkt. Ja. Das geht so ein bisschen in diese Richtung und das erinnert mich gerade sehr da nochmal daran, was du gerade sagst.

Christine Winter: Ja. Das Bild von der Krücke ist aus meiner Sicht auch sehr gut, weil wenn jemand lange Zeit mit Krücken gelaufen ist und man nimmt ihm spontan die Krücke weg und sagt weiterlaufen, dann überfordert den das. Egal, wieviel er auch tatsächlich könnte, es überfordert ihn einfach die Situation, die Krücke ist weg. Ganz, ganz hinderlich bei Entwicklung ist aus meiner Sicht generell, wenn man überfordert ist, und je nachdem, wie groß der Spielraum ohne Krücke vorher schon war, können ganz kleine Dinge Leute schon in eine tiefe Überforderung stürzen. Dann kommen Leute an und sagen: Ich kann nicht vor anderen reden. Dann biete ich oftmals auch Krücken an, um mit Krücken auszuprobieren, um dahinzukommen, zu sagen: Okay, wenn es mit Krücke funktioniert, funktioniert es vielleicht auch statt mit zwei Krücken mit einer funktioniert es vielleicht auch dann nach einer Weile. Ohne diese Krücken und ich finde es immer schade, wenn ich Leuten diese Krücken nicht anbiete und die dann bei der Meinung bleiben über sich selber, dass sie es einfach nicht können.

Steffi Schwarzack: Da steckt so ein bisschen das drinnen, worüber wir auch im Vorgespräch geredet haben. Nämlich dass es, wenn man eben jetzt still ist, introvertiert, wie auch immer man sich da erstmal selber bezeichnen mag oder von außen bezeichnet wird, dann ist es nicht so, dass es irgendwie einem im Blut liegt zu sagen: Hey und jetzt weite ich mal meine Komfortzone aus. Tschakka, hier bin ich! Vielleicht magst du da ein paar Ideen und Tipps mit reingeben?

Christine Winter: Dieses Komfortzonen-Thema spielt für mich eine ganz große Rolle, weil zum Thema Komfortzone hört und liest man eigentlich immer nur: Da muss man raus! Und dann gibt’s so diesen Spruch, den man oftmals auch sieht: That’s, Where The Magic Happens. Und das einzige, was bei mir da passiert, wenn ich aus meiner Komfortzone springe, ist, ich habe entweder totale Überforderung oder völlige Panik und wenn ich es auf die Spitze treiben würde, würde ich auf diesem Weg auch mit Sicherheit wieder in einer Blockade landen, weil …

Steffi Schwarzack: Das wird oft vergessen bei diesem Konzept, was dahinter ist, da gibt es auch diese Risiko-Zone, die beschrieben wird als eine Panik, als der Panik-Bereich.

Christine Winter: Genau. Es gibt diese Komfortzone, wie groß auch immer die ist, wo alles einfach ist, wo alles gewohnt ist, und dann gibt’s einen Bereich außerhalb, wo Veränderung passiert und dann gibt’s einen Bereich dahinter, wo tatsächlich die Panik droht, wo die Überforderung ist, wo nichts weitergeht, wo man auch tatsächlich überhaupt nichts lernen kann. Für manche Menschen ist es so, dass dieser Bereich der Panik sehr, sehr weit weg ist von dem Zentrum der Komfortzone, das heißt, die hüpfen über den Komfortzonenrand und sind da, wo Entwicklung passiert, und es gibt Leute, die Erfahrungen gemacht haben, so wie ich zum Beispiel mit Blockaden oder mit irgendwelchen anderen Dingen oder die irgendwo mal eine schwierige Lebenssituation gehabt haben und die springen über den Rand der Komfortzone und landen zwangsläufig in der Panik und haben das Gefühl, die Komfortzone wird immer kleiner. Mein Gedanke ist: Die, die sich den Fallschirm auf den Rücken schnallen und aus dem Flugzeug springen und dabei Entwicklung erleben, die können das machen, und die anderen brauchen ganz, ganz kleine Schritte, um sich erstmal Bewegungsspielraum innerhalb der Komfortzone zu verschaffen. Da ist oftmals mehr Platz als man auf Anhieb meinen würde und innerhalb der Gewohnheiten bleiben. Zum Beispiel aufs Sprechen bezogen wirklich mal bewusster Gespräche zu führen, ganz normale Dinge, alltägliche Dinge. Man braucht nicht zu sagen: Und dann muss ich vor 300 Leuten oder dann muss ich ein Podcast-Interview geben oder was auch immer das große Ziel ist, sondern einfach mal zu schauen, was geht im Kleinen. Dabei rauszufinden, wo ist die Grenze dessen, wo es bequem ist, wo es leichtfällt, um dann ganz bewusst und nur für kurze Zeit Schritte nach draußen zu machen und die Umgebung zu erkunden, immer in dem Wissen, die Komfortzone ist ganz nah da. Ich mache das mit Leuten auch, die diese Sprechblockaden so wie ich es erlebt habe gehabt haben, in einem Online-Coaching, weil die kommen jetzt auch nicht unbedingt auf mich zu und sagen: Führen wir doch mal ein Gespräch per Skype oder telefonieren wir mal. Das ist ganz schrecklich für diese Leute mit jemand Fremden zu telefonieren und deswegen habe ich gesagt, okay, dann machen wir einen Coaching-Prozess, der schriftlich geht, mit einem schriftlichen Austausch per E-Mail, wo in einigen Kapiteln dann kleine Schritte geübt werden und innerhalb von etwa 1 Monat man merkt, da geht was. Nicht unbedingt vor 500 Leuten auf der Bühne stehen. Das wäre dann wahrscheinlich auch nach 1 Monat noch deutlich zu viel, aber zumindest mal zu sagen, ich gehe raus und spreche mal jemanden an und warte nicht drauf, dass der mich anspricht. Das ist schon ein deutlicher Unterschied für stille Menschen zu sagen, ich kann rausgehen, ich kann hingehen, ich kann jemand ansprechen. Das war für mich auch nochmal eine ganz spannende Reflexion von meinem Weg, denn es geht wahnsinnig schnell, wenn man die Leute mal soweit runterbremst, dass die wirklich kleine Schritte machen, ohne in die Überforderung zu gehen. Ich habe mir so Übungen genommen wie, alleine in den Urlaub fahren oder tatsächlich vor Gruppen sprechen. Ich habe natürlich 9 von 10 Mal oder 99 von 100 Mal die Erfahrung gemacht, das schaffe ich nicht. Dadurch hat es bei mir unglaublich lange gedauert. Ich habe etwas 10 Jahre mit meinen Übungen gebraucht, bis ich dann gesagt habe, okay, das kriege ich hin. Ich bin immer wieder fasziniert von meinen Teilnehmern bei diesem schriftlichen Coaching, wie die dann plötzlich sehen, welche Möglichkeiten sie haben nach 2 Wochen, 3 Wochen, 4 Wochen.

Steffi Schwarzack: Spannend, weil im Grunde arbeiten wir da ähnlich, dass ich auch sage, nehme dir jetzt nicht gleich irgendwie die große Keynote vor, wenn das für dich ein neues Feld ist. Aber du brichst das natürlich nochmal viel minimalistischer runter von den Schritten her und das finde ich spannend und gut einfach wirklich zu sagen, ich bleibe in einem großen Wohlfühlbereich noch.

Christine Winter: Wichtig ist mir, dass der Wohlfühlbereich, also diese sogenannte Komfortzone größer wird. Dass man quasi Rituale und Gewohnheiten findet, die man innerhalb dieses Bereichs, wo es überhaupt nicht schwierig ist, machen kann. Man muss nicht immer raus in diese Lernzone, in diese Veränderungszone, sondern manche Dinge kann man so integrieren, dass sie nach einer Weile, nach einigen Tagen tatsächlich leicht sind. Deswegen ist für mich da immer die Herangehensweise, die Herausforderungen kleiner zu machen und dann nochmal halb so groß und solange kleiner zu machen, bis man sie lächerlich findet. Wenn man drüber lachen kann, wie klein dieser nächste Schritt ist, dann ist er eigentlich von der Größe her richtig.

Steffi Schwarzack: Wenn du jetzt selber in deine Sprecher, ich nenne es jetzt mal Sprecherkarriere, an deinen sprechenden Weg zurückdenkst, was war denn so vielleicht einer der schönsten Momente, die du da erlebt hast?

Christine Winter: Es gab immer wieder auch Erfolgserlebnisse bei all diesen von mir provozierten Misserfolgserlebnissen und die sind tatsächlich in Erinnerung geblieben. Wo wirklich ein Wachstumsschritt funktioniert hat und ich mit einem guten Gefühl aus einer Situation rausgegangen bin. Ich erinnere mich zum Beispiel an eines der ersten Seminare, an denen ich teilgenommen habe. Da war ich naturgemäß nicht freiwillig, mein Arbeitgeber hat mich dahingeschickt und hat gesagt, die Frau braucht Kommunikationswissen, wir schicken sie aufs Kommunikationsseminar. Ich hatte das Glück auf einen Trainer zu treffen, der ein bisschen ähnlich von der Herangehensweise war wie ich heute, der gesagt hat, wir machen die Schritte tatsächlich so, dass jeder mitkommt und da war ich sicherlich die, an der das Maß dann genommen worden ist. Wir haben uns da in einer Gruppe weiterentwickelt und das ist so ein Erlebnis, da bleibt im Gedächtnis, weil ich da zum ersten Mal erlebt habe, ich kann in einer Gruppe mitwirken, mitmachen, ich muss auch nicht still sein, ich hatte auch keine Blockaden und er hat vielleicht auch ein bisschen meinetwegen mit uns auch noch eine Entspannungstechnik eingeübt, die speziell dafür war, in anspruchsvollen Situationen sich selber runter zu regulieren. Das ist sowas, das ist in Erinnerung geblieben einfach, weil ich da diese Überforderung zumindest, wenn sie kurzzeitig da war, regulieren konnte und mich entwickeln konnte. Solche Momente gab’s natürlich immer wieder zwischendurch. Ein ganz großes Thema, das noch nicht so lange her ist, war meine eigene Trainerausbildung, wo ich nochmal ganz viele Ängste durchlebt habe, weil ich da wirklich in einer Prüfungssituation vor der Gruppe sprechen musste und wo ich auch gemerkt habe, wieviel von meiner Geschichte noch präsent war, um dann aber zu erfahren, die geben mir tolles Feedback, die unterstützen mich, die Gruppe steht hinter mir und ich kann da durchgehen. Solche Erlebnisse tun natürlich unglaublich gut, obwohl man sich selber furchtbar schlecht dabei fühlt, ganz viel Wertschätzung und Unterstützung kriegt, und dann tatsächlich in diesem Bereich kurz vor der Panik bleiben kann und dabei wirklich eine Entwicklung machen kann. Für ein paar Momente hatte ich bei der Prüfung meiner Trainerausbildung sicherlich auch Panik. Das Erfolgserlebnis besteht dann darin, dass ich es tatsächlich geschafft habe wieder runterzukommen und da durchzugehen. Das zeigt dann auch mal so das Spannungsfeld. Natürlich brauche ich die Herausforderung, um mich zu entwickeln, aber ich brauche definitiv nicht, dass ich mich in der Panik verliere und das hat da geklappt und deswegen ist das etwas, was mir sehr positiv in Erinnerung geblieben ist trotz erheblichen Lampenfiebers, trotzdem ich die Hälfte von meinem Inhalt vergessen habe und mich dann munter durch meine Prüfungspräsentation durch improvisieren musste. Es hat vieles nicht funktioniert, aber im Gesamtbild rückblickend ist es eine tolle Erfahrung gewesen.

Steffi Schwarzack: Aber du redest gerade von Improvisieren. Letztendlich ist das ja was, was du eigentlich auch gar nicht so schlimm findest oder? Weil wir haben jetzt im Vorfeld auch über Stichwortzettel und sowas geredet und du sagst ja auch, eigentlich magst du, wenn es dann frei kommt und fließt.

Christine Winter: Mittlerweile nach der Trainerausbildung, wo ich gelernt habe, man müsste ein Konzept und einen Zeitplan und konkret wissen, wo man hinwill und das Ganze vorbereitet haben, mittlerweile bin ich soweit, dass ich nur noch Überbegriffe habe, was als nächstes kommt und wenn ich vor Leuten stehe, ich am liebsten mit Flipcharts arbeite, wo ich einfach dann umblättere und das nächste Flipchart da nächste Thema vorgibt und ich nicht großartig wissen muss, was jetzt inhaltlich genau wie kommt. Das heißt, wenn es ums Präsentieren, ums Reden vor Leuten geht, mag ich auch zum Beispiel PowerPoint nicht, weil da oft so viel Zeug draufsteht, was mich verwirrt, dass ich es lieber nicht mache. Inzwischen bin ich ein Verfechter von Improvisieren und auch mit den Leuten gemeinsam das Thema weiterentwickeln. Damals war ich noch nichts so weit, da hatte ich ja gerade erst gelernt, wie man sich ein Konzept baut.

Steffi Schwarzack: Es ist auch nichts gegen Konzepte zu sagen, aber ich finde auch, wirklich in dieser Präsenz sein mit einer Gruppe oder mit Leuten, das geschieht halt am allerbesten, wenn man diese Konzepte auch wieder loslassen kann und einfach guckt, was ist denn jetzt gerade los? Was passiert denn jetzt da gerade? Das erfordert aber ich finde Mut, das erfordert mich auch immer wieder Mut zu sagen, ich mache mich damit verletzlich, weil es könnte auch nicht so gut sein. Wenn ich den Plan durchziehe, dann wird es einigermaßen okay sein. Zumindest erlebe ich das bei mir so.

Christine Winter: Die Befürchtung ist, dass man den Plan verlieren würde, wenn man sich nicht dran klammert. Das erlebe ich auch ganz viel bei meinen Teilnehmern. Die Erfahrung ist allerdings, dass beim Publikum die Präsentationen am besten ankommen, wo man irgendwie die Einführung macht und feststellt, der ganze Plan passt nicht zum Publikum und dann einfach mit dem Publikum mitgeht.

Steffi Schwarzack: Ja. Ich glaube, man kann die (Christine: Da muss jeder für sich schauen, was er braucht.) Leute dann viel besser berühren, weil du eben wirklich in der Präsenz bist, ansonsten zieht man ein Ding durch, was eigentlich in die Vergangenheit gehört, weil du hast es in der Vergangenheit ausgearbeitet.

Christine Winter: Ja und es macht einfach sehr viel echter und nahbarer, wenn man mit den Leuten redet statt für die Leute redet. Es ist nicht jedermanns Sache, jeder muss so ein bisschen auch sein Maß an Kontrolle oder Improvisation suchen. Was ich ganz, ganz schrecklich finde und was ich tatsächlich dann Leuten auch bewusst abgewöhne, ist, Dinge auswendig lernen. Weil dann verliert man das Publikum mit allergrößter Wahrscheinlichkeit.

Steffi Schwarzack: Also schon allein für das Gehirn vom Verständnis her ist das extrem schwer, weil die wenigsten es schaffen, in einer guten verständlichen Melodie dann zu sprechen. Ja.

Christine Winter: Es geht Melodie verloren, es geht vor allen Dingen Begeisterung verloren. Was die Leute mitnehmen, ist im Endeffekt nicht so sehr genau ausformulierter Inhalt, sondern die Begeisterung, die man als Redner über die Rampe bringt. Da bin ich eben für mich jetzt an dem Punkt, dass ich sage, ich brauche drei, vier Stichpunkte, damit ich, wenn ich mal eine Pause zwischendrin habe, schauen kann, wo ich weitermache. Mehr brauche ich eigentlich nicht, mit dem Rest würde ich mir selber eher ein Bein stellen.

Steffi Schwarzack: Das heißt, wie bereitest du dich dann vor? Bereitest du dich auch so kurz und knapp vor und sorgst lieber dafür, dass es dir gutgeht oder hast du das Gefühl, du liest dann trotzdem ganz viele Bücher, damit dir alles zur Verfügung steht? Wie sieht deine Vorbereitung aus, egal ob jetzt Seminar, Präsentation?

Christine Winter: Ich versuche ein Thema zu haben, also schon vor der Vorbereitung eigentlich, wozu ich was zu sagen habe. Wenn ich merke, das ist ein Thema, zu dem ich nichts zu sagen habe, versuche ich solche Dinge auch gar nicht erst anzunehmen, weil dann wird es mit meiner Methode schwierig. In dem Moment, wo ich merke, ich habe was zu sagen, sind die Ideen schon da, und die eigentliche Vorbereitung inhaltlich ist bei mir, dass ich meine Flipcharts male und schreibe. Während ich in diesem Prozess von Malen und Schreiben bin, strukturiert sich mein Inhalt und dann vergesse ich ihn auch nicht mehr, was mir sonst beim reinen Lesen durchaus passieren könnte, sondern da integriert sich das Ganze, da ändern sich manchmal auch nochmal die Abläufe, weil ich dann plötzlich merke, dass irgendwelche Sprünge oder ähnliches drin sind. Wenn ich meine Flipcharts in der richtigen Reihenfolge unterm Arm habe, dann bin ich im Grunde auch vorbereitet, dann kann es sein, dass ich das ein oder andere nochmal nachlesen muss, was einfach bestimmte Fachbegriffe oder ähnliches beinhaltet, aber im Grunde steht dann das, was ich vortragen will.

Steffi Schwarzack: Und diese Flipcharts, sind die dann schon fertig oder hast du die sozusagen vorskizziert, um dann mit den Teilnehmern damit weiterzuarbeiten?

Christine Winter: Ich versuche größere Zeichnungen vorzubereiten und dann zu ergänzen im Dialog und habe da auch so selbsthaftende Folien, die ich dann, wenn irgendwelche Begriffe noch dazukommen, dazu kleben kann und die auch schon vorbereitet da sind, sodass ich das durchaus auf dem Flipchart-Papier mit den Teilnehmern zusammen entwickele, aber natürlich nicht abgelenkt werde von großartigen Zeichnungen.

Steffi Schwarzack: Ich nehme an, ich kenne deine Zeichnungen jetzt online, die du dann technisch machst. In diesem Stil machst du auch die anderen Zeichnungen auf dem Flipchart?

Christine Winter: Genau. Ich habe relativ viele Gesichter, relativ viele Männchen drauf, die irgendwo in Interaktion sind, sodass ich viele Sachen einfach auch wirklich verbildliche und gar nicht so sehr irgendwo welche Texte dort stehen habe. Wie gesagt, wenn dann mal ein Fachbegriff wichtig ist, dass der dort auch erscheint, dann klebe ich den einfach noch dazu. Ganz vieles ist aber wirklich Illustration, weil für mich immer es so ist, einen Sachverhalt zu erfassen, dann muss ich ihn so weit runterbrechen, dass er auf einem Flipchart-Blatt Platz hat und wenn ich das für mich habe, dann ist auch für mich das Thema geklärt. Das ist das, was ich vorhin gemeint habe mit „Das ist meine Vorbereitung“. Wenn ich so weit bin, dass ich es auf einem Blatt veranschaulichen kann, dann kann ich auch drüber reden.

Steffi Schwarzack: Cool. Das gefällt mir gut. Direkt an die Flipcharts zu gehen, wäre wahrscheinlich überhaupt nicht mein Stil. Aber ich mache es auf jeden Fall auch mit Stift und Papier mir die Dinge zu skizzieren, aber nicht ganz so bildlich, sondern schon mehr mit Worten noch, aber es geht mehr um Strukturen, die ich auch darstelle, um Zusammenhänge herzustellen. Das ist auch meine Art von Vorbereitung. Ja. Auf jeden Fall nicht im PC. Dort findet die Vorbereitung nicht statt. Da findet maximal eine visuelle Aufbereitung später statt, wenn es notwendig ist. Durch Video oder was auch immer.

Christine Winter: Für mich ist tatsächlich dieses mit der Hand auf dem Papier mit einem dicken Stift arbeiten, das ist für mich was, was mich unheimlich sortiert.

Steffi Schwarzack: Sehr spannend. Ja.

Christine Winter: Ich bin sehr froh, dass ich das entdeckt habe, weil das verkürzt die Vorbereitungszeit ganz enorm.

Steffi Schwarzack: Das klingt auf jeden Fall sehr verknappend. Ja. Wo willst du denn, vielleicht so als bisschen zusammenfassende Frage auch, wo willst du denn jetzt noch hin? Welche Ziele hast du denn noch für dein Sprechen, aber natürlich auch für deinen Beruf generell? Weil du hast ganz viel erreicht von deinem Lebensweg jetzt her, wo es vor 10, 20 Jahren nicht so aussah, als wäre es möglich. Wo willst du jetzt hin?

Christine Winter: Genau. Wenn man mich als Kind gefragt hat, was ich werden will, war die Antwort immer, Lehrerin. Für die Leute, die mich sprechen kannten, war das okay. Ich glaube für die Leute, die mich noch nie gehört hatten, wäre es ein bisschen befremdlich gewesen, weil das Kind, das nie vor einer Schulklasse gesprochen hat, hatte als Berufsziel immer Lehrerin. Das finde ich ganz spannend, weil irgendwo bin ich immer darauf hin in meinem Tempo, Lehrerin zu werden. Heute bin ich ein Stück weit auch Lehrerin mit meinen Seminaren, mit meinem Unterricht. Ich habe jetzt keine großen inhaltlichen Ziele oder das Ziel ausgefeilter irgendwo Sprecherin zu werden, sondern mir ist momentan Ziel ganz wichtig, dass ich authentisch bin, wenn ich spreche und dass ich mich dabei wohlfühle und dass ich eben mit Themen, mit denen ich mich identifiziere, zum Sprechen komme. Ein Ziel ist sicherlich, dass ich mich noch stärker zur Sprecherin von stillen Menschen machen möchte, speziell im Bereich der Unterstützung von den Leuten mit Sprechblockaden möchte ich da noch mehr sichtbar, mehr hörbar werden und bin auch dabei mich da mehr zu positionieren, um diesen Leuten Stimme zu geben, weil ganz viele zwar ganz viel Wissen haben, ganz tolle Menschen sind, auch ganz stark an sich selber arbeiten, aber noch nicht an dem Punkt sind, wo sie flüssig sprechen können. Deswegen gibt’s über diese Menschen unter Fachleuten, unter Therapeuten, ganz viele Missverständnisse, wie man sie einfach nirgends hört. Wenn ich das schaffe, das ein Stück weit auch Sprecherin zu werden für Leute, die tatsächlich unter Mutismus leiden, die unter Sprechblockaden leiden, dann hätte ich wieder ein weiteres großes Ziel für mich erreicht.

Steffi Schwarzack: Das klingt sehr rund und sehr authentisch für mich jetzt auch schon von dem, was ich bisher über dich gelesen habe und erfahren habe. Ich bin da sehr gespannt, wo du weitergehst. Wo findet man dich denn, wenn man mit dir zusammenarbeiten möchte, dich kennenlernen mag? Wo kann man dich sprecherisch oder lesend treffen?

Christine Winter: Lesend zunächst mal gibt’s den Blog der „Stille Stärken“ heißt, also stille-staerken.de, dort gibt’s ganz viele Gedanken von mir, auch einige Selbst-Coaching-Übungen, die relativ einfach für einen selber zu machen sind. Da mal durch zu stöbern ist sicherlich lohnend. Es gibt „Stille Stärken“ auch als Seite auf Facebook und es gibt eine Gruppe dazu, die „Stille Stärken entwickeln“ heißt. Also in die Richtung können wir uns gerne lesen.

Steffi Schwarzack: Ja. Das ist wahrscheinlich, das passend, da besser. Es war meine Frage, die passt nicht zu dir oder zu den Leuten.

Christine Winter: Gut. Sprechend bin ich natürlich persönlich immer ansprechbar. Wenn jemand Kontakt mit mir aufnehmen möchte, sehr, sehr gerne. Darüber hinaus stehe ich natürlich gerne auch als Coach zur Verfügung, wenn jemand ein konkretes hat und dann aber auch gerne über das Kontaktformular auf stille-staerken.de. Dann kommen wir so ins Gespräch.

Steffi Schwarzack: Ja. Liebe Christine, ich fand es ein ganz spannendes Interview und du hast bei mir jetzt auch gerade wirklich nochmal so ein paar, mich erinnert an Dinge, die manchmal vielleicht im Arbeitsalltag auch ein bisschen wegrücken bei einem selber so, wie wirklich nochmal die eigene Position zur Fehlerkultur und solche Dinge. Also ich fand es sehr, sehr spannend. Vielen Dank für deine Inspiration und ich bin mir sicher, dass wir den ein oder anderen Hörer hier auch inspirieren konnten für seinen eigenen Weg, egal ob er jetzt mit diagnostizierten Sprechblockaden unterwegs ist oder auch nur für sich merkt, an der ein oder anderen Stelle bin ich gerade gehemmt und nicht so frei wie ich das will.

Christine Winter: Ich glaube, die Erfahrung von einer Blockade ist was relativ Normales. Es muss ja nicht so hoch aufgehängt sein wie jetzt bei mir, dass es über Jahre geht. Wenn ich da ein bisschen was mitgeben kann und sei es nur den Schritt kleiner zu machen, damit die Blockade etwas weiter wegrückt, dann freut mich das sehr und ich habe unser Gespräch sehr genossen. Danke für die Einladung.

Steffi Schwarzack: Schön. Dann Danke, dass du da warst.

Christine Winter: Gerne.

Steffi Schwarzack: Mach’s gut! Tschüss!

Christine Winter: Du auch. Tschüss!