Du lauschst einem Sprecher. Aber anstatt seinen Worten zu folgen, zählst du innerlich mit. Von Verständnis der Inhalte keine Spur.

Ähm – Hm – Ja – Und

Sie alle haben eines gemeinsam. Es handelt sich um Füllwörter.  Auch Fülllaute oder Verzögerungslaute genannt.

Sie sind da aber nicht deine besten Freunde? Heute zeige ich dir hier, warum sie gut sind und du Freundschaft schließen solltest. Und was du tun kannst, sie dennoch nicht all zu oft zu Besuch zu haben.

Viel Spaß!

 

 

ÜBERBLICK: In dieser Folge erfährst du …

  • Welchen Nutzen Ähms und andere Füllwörter haben
  • Wie es eigentlich 🙂 zum Phänomen Füllwort kommt
  • Was du tun kannst, um Füllwörter loszuwerden

SHOWNOTES: Die Links zur Folge …

  • Artikel darüber, warum Füllwörter (echte Wörter) schön sind

 

BLOGARTIKEL: Für Leseliebhaber …

Ähms sind kein Schicksal

 

Hallo und Willkommen zur aktuellen Folge von zeig dich und sprich.

Heute geht es um ein Thema, was die Teilnehmer in meinem Seminaren immer wieder bewegt.

Es begegnet mir auch, wenn ich Anderen zuhöre.

Ja und manchmal auch, wenn ich meine eigenen Präsentationen anhöre – auch diese Podcastfolge.

Die Rede ist von Füllwörtern.

Die gute Nachricht ist: Ähms und andere Füllwörter sind kein Schicksal. Sondern eine bloße Angewohnheit etwas zu überbrücken.

Die weniger gute: Ohne Disziplin wird sich nichts ändern. Es braucht Zeit zum Üben. Zeit, ein Muster zu durchbrechen.

Wenn es morgen schon anders sein soll, kann ich keine Wunder versprechen.

Ich möchte dir in dieser Folge zeigen:

  • Warum Füllwörter gar kein Problem sind – im Gegenteil, welchen Sinn und Nutzen sie haben
  • Wie es zu diesen Ähms kommt – welches Muster dahinter liegt
  • Was du tun kannst, damit es anders wird, wenn dich selbst diese Ähms stören.

Doch was sind denn Füllwörter überhaupt?

 

Füllwörter sind …

Streng genommen sind Füllwörter ja Wörter: sozusagen/ irgendwie/ auch/ eigentlich/ halt/ fei/ wohl/ halt/ quasi/ ja

und viele andere mehr.

Sie haben eine wichtige Funktion im System Sprache. Linguisten argumentieren z.B., dass 1 + 1 = 2 etwas anderes ist als 1 + 1 ist ja gleich 2.

Wenn dich das tiefer interessiert, dann ist der oben genannte Artikel „Füllwörter sind schön“ sicherlich spannend für dich.

Worauf ich mich beziehe sind streng genommen Fülllaute. Die Ähs und Ähms.

Sie heißen auch Verzögerungslaute, Verlegenheitslaute, Pausenlaute.

Definiert werden sie als in die Länge gedehnte Diskurspartikel zur Überbrückung einer Sprechpause.

Das heißt, sie füllen die Pause, wenn das Gehirn znächst denken muss: Was ist das nächste richtige Wort? In welcher Reihenfolge bringe ich die Wörter? Wie ist die grammatik dafür korrekt? Wie betone ich?

Naja, zum Glück passiert dies alles unbewusst und parallel.

Doch dein Körper ist im Sprechmodus während du denkst und schwups, schon ist der Fülllaut raus.

Ich spreche übrigens hier Synonym von Füllwörtern und Fülllauten und beziehe mich dabei eben auf die oben genannten Laute. Das ist wissenschaftlich betrachtet nicht ganz so überschneidend. Aber welcher Businessmensch sucht schon nach solchen Keywords wie Verzögerungslaut oder Fülllaut. Ähm und Füllwörter sind einfach die gängigeren Begriffe.

Solche Füllwörter werden recht häufig von Menschen im Alltag verwendet. Forscher sind der Meinung, dass fast ein Fünftel der gesprochenen Sprache daraus besteht.

Wie genau, das ist weltweit verschieden. Im Spanischen z.B. fühlt man die Pausen bevorzugt mit dem kleinen Wörtchen „esto“ (= dieses).

 

Füllwörter sind doof

Ich weiß nicht wie es dir geht: die meisten mit denen ich beruflich zu habe, die finden es nicht gut, wenn sie selbst solche Laute produzieren.

Als Hörer stört es gar nicht sehr, es sei denn es sind extrem viele.

Ich habe mal gelesen, dass ein paar Füllwörter pro Minute sogar ok sind. Den Gedanken finde ich nach wie vor sehr erleichternd. Geht dir das auch so?

Problematisch wird es, wenn es zu viele sind. Also so ab 5 pro Minute.

Was ist das Problem?

Es ist ein Problem für das Verstehen und Verständlichkeit.

Wenn du keine Pause hast passiert im Gehirn Folgendes:

Stell dir vor ich halte 7 Bälle in meiner Hand. Nun werfe ich diese zu dir. Du sollst fangen. Jetzt.

Wie viele konntest du fangen, wenn ich alle gleichzeitig schieße.

Mit etwas Glück 2-3. So gut wie nie alle. Oft auch gar keinen, weil du gar nicht wusstest, welchen zu erst fangen.

Wenn wir die Pausen mit Ähms füllen, dann ist es im Gehirn deiner Hörer leider so, als würdest du zu viele Informationsbälle auf einmal ausspielen. Er hat kaum die Chance einen festzuhalten. 

Unser Gehirn liebt Pausen.

Unser Gehirn braucht Pausen.

Wenn es die nicht bekommt, nimmt es manchmal gar nichts auf. Kein Ball im Tor. Schade eigentlich.

Zusammengefasst sind Ähms also kein ästhetisches Problem sondern sie sind ein Problem für das Verstehen deines Hörers.

Dennoch sind Füllwörter teilweise auch sinnvoll: Was ist das Nützliche daran?

 

Füllwörter sind nützlich …

 

1. Ähms sind nützlich für die Koordination der Sprechatmung:

Bei der Ruheatmung sind Einatmungsphase und Ausatmungsphase etwa gleich lang.
Bei der Sprechatmung ist die Ausatmung sehr viel länger. Logisch. Wir sprechen auf die Ausatmung.

Das Umschalten zwischen beiden Atemrhythmen im Gehirn ist komplex. Auf neuronaler Ebene aber auch auf motorischer müssen sich in Bruchteilen von Sekunden Dinge ändern.

Wenn ich nachdenke beim Sprechen schaltet der Atmungsprozess theoretisch wieder auf Ruheatmungen.
Das Umschalten aber ist komplex. Da bleiben wir manchmal lieber im Sprechatemrhythmus und damit das möglich ist, schicke ich ein „ähm“ raus. Diese so genannte „motorische Ersatzroutine“ hilft mir beim Sprechen also den Atemvorgang zu ökonomisieren.

2. Ähms haben eine kommunikative Funktion:

Deine Füllwörter halten den sprachlichen Kontakt zum Hörer aufrechtzuerhalten. Sie zeigen, dass du als Sprecher noch nicht fertig bist. So ein Ähm ist also beim Sprecherwechsel ganz entscheidend. Es zeigt: du bist noch nicht dran.

Dieses Phänomen kann man unglaublich gut bei Politikern in Talkshows, die nicht unterbrochen werden wollen, beobachten.

 

3. Studien belegen, dass Verzögerungen durch Ähms den Sprachfluss positiv beeinflussen.

In der Online-Zeitung „Bild der Wissenschaft“ werden drei Studien aus Schottland und den USA zitiert, die das belegen.

Eine der Studien hat z.B. herausgefunden, dass „Äh“-Laute das Erinnerungsvermögen steigern. (Martin Corley, University of Edinburgh/Schottland)

Corley und seine Kollegen machten noch eine erstaunliche Entdeckung: . Ein Gedächtnistest zeigte, dass sich die Teilnehmer etwa eine Stunde nach dem Experiment besser an sämtliche Wörter, denen ein solcher Fülllaut vorausging, erinnern konnten. Wenn der Sprecher zögere, erwarte der Zuhörer etwas Schwieriges oder Ungewöhnliches – er höre besser zu und merke sich das Gesagte länger. So das Fazit.

Wie du siehst, ist so ein Füllwort also nicht nur negativ zu werten. Du kannst es für deine Wirkung also auch nutzen.

 

Wie kommt es nun genau zu Füllwörtern (Fülllauten)?

Das Phänomen Füllwort speist sich aus dem Zusammenspiel von 2 Merkmalen von Stimme und Sprechweise.

Die erste spannende Frage ist: was passiert vor dem Füllwort?

Meist ist es nämlich so, dass die Stimme des Sprechenden vor diesem in einer so genannten Schwebe verbleibt. Es fehlt ein akustischer Punkt. Ein Abschluss einer Aussage.
Beim Schreiben signalisiere ich durch: Punkt, Komma, Fragezeichen und Ausrufezeichen, wie der Satz verstanden werden soll. Beim Sprechen habe diese Möglichkeiten nicht.

Ich muss durch die Melodieführung der Stimme ausdrücken, wie der Satz zu verstehen ist. (neben Grammatik und anderen Merkmalen)
Dafür stehen mir im Deutschen nur 3 Varianten zur Verfügung:
1. Die Stimme geht nach oben: Das Wasser ist warm?
2. Die Stimme verbleibt in der Schwebe:  Das Wasser ist warm – (wie bei einem Komma bei Aufzählungen)
3. Die Stimme geht nach unten: Das Wasser ist warm. oder auch Das Wasser ist warm! (auf Melodieebene gibt es bei Punkt und Ausrufezeichen keinen Unterschied).

Vor einem Füllwort findet sich nun häufig folgendes Merkmal: Die Stimme bleibt in Schwebe.
Das ist ein Problem: denn damit signalisiere ich mir selbst (und dem Hörer): da kommt noch etwas.

Ich bin also geneigt noch etwas zu sagen, statt eine Pause zu machen. Denn unser inneres Muster verlangt nach einem Ende, was noch nicht gekommen ist. Der Punkt fehlt sozusagen noch.

Da wir aber gerade nichts zu sagen haben (denn irgendwann muss jeder Sprecher mal nachdenken), daher füllen wir diese Pause: Ähm.

Passender wäre es eine Wirkpause auszuhalten. Doch das ist gar nicht so einfach.

 

Wie du deine Füllwörter loswerden kannst

Aus all dem oben Gesagten folgt: Dein Ziel kann nicht die absolute Auslöschung deiner Ähms sein. Vielmehr geht es um eine Reduzierung bzw. um einen bewussten Umgang und Einsatz mit ihnen.

Was genau kannst du üben?

Schritt 1: Bewusst machen

  1. Lausche Anderen: Wie machen die es? Wie ist die Melodieführung deren Stimme? Wie halten sie die Pausen aus?
  2. Lausche dir selbst auf Aufnahmen. Das ist leichter als sich beim Sprechen selbst zu zu hören. Beobachte wie du die Stimme führst und mit Pausen umgehst.
  3. Beobachte dich beim Sprechen live selbst. Das ist dann schon der nächste Schritt. Beobachte dich selbst beim Sprechen. Du solltest in der Lage sein, das kommende Füllwort schon zu erahnen, und dann runterzuschlucken.

 

Schritt 2: Muster ändern

  1. Sprich auf den Punkt. Damit meine ich: Führe die Melodie deiner Stimme am Ende einer Aussage nach unten. Als würdest du einen Punkt setzen. Das kannst du üben, indem du summst oder mit den Lippen flatterst und die 3 verschiedenen Melodiebögen im Deutschen austestest: nach oben, in der Schwebe, nach unten.
  2. Halte die Pausen aus. Übe dich im Schweigen. Zähle innerlich 2 mal: einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig. Dann erst sprich weiter. Es kommt dir wahrscheinlich ewig vor. Für den außen stehenden Hörer sind solche Pausen aber sehr angenehm.

 

Schritt 3: Sonstige Hilfestellungen gegen Füllwörter

  1. Entspanne dich vor deinem Auftritt. Bau dein Lampenfieber ab. Unser „Macken“ kommen natürlich bei Nervosität mehr an die Oberfläche als ohne. Tue alles dafür, was möglich ist, so entspannt wie möglich und so präsent wie nötig zu sein. Meine oben genannten Podcastepisoden können dich dazu gerne inspirieren.
  2. Gestikuliere viel. Bewegungen, auch die mit den Armen, bauen Stress an. Bewegungen regen das Denken an. Der Sprechfluss wird dadurch oft besser angeregt (wenn dies deinem Typ entspricht). Probiere es aus.
  3. Sprich in Sprechsprache und frei! Füllwörter tauchen auch da besonders oft auf, wo Menschen innerlich an einer festen Struktur hängen und ihnen vor Aufregung das eine festgelegte Wort nicht einfällt. Nimm es leicht. Sprich ein anderes Wort aus. Schenk dir die Freiheit einer freien Rede!

 

Fazit:

Ähms und Ähs können die Erinnerungsfähigkeit deiner Aussagen steigern, wenn du sie gezielt einsetzt. Sie können dich andererseits aber viel an Wirkung, Verständnis und Kompetenz kosten.
Daher solltest du sie nur wohl dosiert einsetzen.

Was kannst du tun?

 

Mein zeig dich & sprich-Tipp:

Achte auf die Führung deiner Stimme. Mache Pausen.

 

In diesem Sinne wünsche ich dir sonnige Tage mit vielen Pausen, so wie ich gerade hier bei der Aufnahme und dann.

Deine Kommentare und Rezensionen sind wie immer willkommen.

Mach gerne auch beim nächsten Mitmach-Podcast mit und berichte: Wie machst du es – frei, mit Stichworten oder lesend?

Herzliche Grüße, deine Steffi tschüß!