„Bin ich schön?“

Diese Frage stellt sich immer mit, wenn es um deinen Auftritt geht! Nicht bewusst aber auf unbewusster Ebene fragen wir uns auch wie das Äußere und die eigene Ausstrahlung zur Situation passen. Wenn es ums Video drehen geht, wird es uns selbst noch einmal mehr deutlich, welche Rolle das eigene Aussehen und die Schönheit fürs eigene Wohlfühlen aber auch für die Wirkung auf Andere spielen.

Daher habe ich mir eine Expertin für (innere) Schönheit ins Interview eingeladen: Simone Förster.

 

ÜBERBLICK: In dieser Folge erfährst du …

  • Was du mit deinem Aussehen kommunizierst
  • Was Schönheit bedeutet und warum dies nichts mit gängigen Schönheitsidealen zu tun hat
  • viele Tipps für dein eigenes Äußeres und Wohlfühlen im Körper

SHOWNOTES: Die Links zur Folge …

  • Simones Försters Website mit ihrer Firma Casa Holistica

 

BLOGARTIKEL: Für Leseliebhaber das Interview als Transkript

 

Steffi Schwarzack: Willkommen bei dieser Folge von „Zeig dich und sprich“. Ich freue mich sehr auf meinen heutigen Interviewgast und zwar habe ich mir diesmal eine Expertin für Schönheit eingeladen und zwar nicht für irgendeine Schönheit, sondern für innere Schönheit. Ich begrüße dich ganz herzlich hier. Hallo Simone!

Simone Förster: Hallo Steffi, vielen Dank für die Einladung.

Steffi Schwarzack: Ja schön, dass du sie angenommen hast und dass du da bist und dass wir heute reden können und Reden werden über Aussehen, über diesen Aspekt von nonverbaler Kommunikation und auch ein Stück weit über Schönheit. Der Aufhänger, warum ich das gemacht habe, ist, dass es mir immer wieder begegnet, wenn ich mit Leuten arbeite, dass wir dann auch mit Videoaufnahmen arbeiten, um Feedback zu geben und ganz oft höre ich: Ich sehe schrecklich darauf aus. Das sind so oft die ersten Reaktionen von Leuten, die es nicht gewohnt sind, sich zu sehen. Das ist für mich so ein bisschen der Anlass gewesen zu sagen: Ja, jetzt lass uns einfach mal darüber reden.

Simone Förster: Das ist sehr gut.

Steffi Schwarzack: Vielleicht magst du dich erstmal ein kleines bisschen vorstellen, für die, die dich noch nicht kennen, was du machst und vor allem aber auch, wie bist du dazu gekommen, was du tust?

Simone Förster: Sehr gerne. Mein Name ist Simone Förster und ich arbeite bei meiner Firma Casa Holistica mit Frauen mittleren Alters und unterstütze sie dabei ihre Schönheit wiederzufinden. Viele Frauen haben den Zugang zu ihrer Schönheit verloren und ich mache das je nach Bedarf über den Weg der äußeren Schönheit mit pflegenden wohltuenden Behandlungen und natürlichem Make-up oder über den Weg der inneren Schönheit, das geht dann über Coaching. Mein Verhältnis zu Schönheit war viele, viele Jahre nicht wirklich existent. Ich fand das Thema Schönheit sehr oberflächlich. Ich habe mich mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Ich wollte lieber für andere Sachen wahrgenommen werden als für meine eigene Schönheit. Irgendwann war ich in Spanien als Übersetzerin und habe dort von der Naturkosmetikfirma Dr. Hauschka eine Anfrage bekommen, ob ich für sie übersetzen würde. Ich habe das sehr arrogant und sehr großkotzig erstmal abgelehnt und eine Freundin von mir, die älter war, Spanierin, die sagte: So mein Schatz, jetzt komm mal von deinem hohen Ross runter. Das ist eine ganz renommierte Firma, das ist kein Chichi. Mach doch mal eine Probeübersetzung und die müsstest du als Deutsche doch eigentlich kennen diese Firma? Und ich so: Nö. Weil ich diese Freundin sehr geschätzt habe und immer noch sehr schätze, habe ich auf sie gehört und habe eine Probeübersetzung gemacht. Und während dieser sprachlichen textlichen Begegnung habe ich mich praktisch in die Ethik von Dr. Hauschka verliebt und da ist mir so ein Licht aufgegangen und ich dachte: Ach so, Schönheitspflege, Schönheit, es geht ja auch anders. Das muss gar nicht oberflächlich sein. Das war für mich ein totaler Durchbruch und ein Aha-Moment und ich habe dann, ich glaube ein Jahr nur übersetzt und dann war ich total angefixt und dann wollte ich alle Ausbildungen machen, die es gibt in Barcelona und habe fortan nur noch mit Beauty gearbeitet. Also ein ganz eigener Weg und irgendwann während diesem Weg, also während ich mich für Schönheit geöffnet habe, ist mir aufgefallen: Eigentlich bin ich als kleines Mädchen schon gerne in den Schuhen meiner Mutter herumgelatscht und habe mir ihre Ketten umgehangen und einen Lippenstift drauf. Aber das hatte mein Bewusstsein irgendwie verdrängt. Also es war wohl schon da und ich habe irgendwann auf Schönheit einen Stempel aufgeklebt und habe gesagt: Bäh, oberflächlich, mag ich nicht, will ich nicht. Das hat sich natürlich jetzt sehr geändert.

Steffi Schwarzack: Was für eine spannende augenöffnende Geschichte. Ich glaube in diesem kleinen Mädchen, was du da beschreibst, da finden sich doch viele Frauen wieder. Ich kenne das zumindest auch, bei mir war es dann bei meiner Großmutter, dass ich da auch vor deren Spiegel saß und die Lippenstifte angeschaut habe.

Simone Förster: Da schau an.

Steffi Schwarzack: Ja, eine lang vergessen geglaubte Geschichte auch in mir.

Simone Förster: Total. Es ist auch für andere Bereiche, wenn man zum Beispiel sich fragt: Was ist so ein großer Lebenstraum oder was ist ein Teil von deiner Vision? Da tut es auch manchmal sehr gut, wenn man sich an seine Kindheitsträume erinnert oder, wenn man sich überlegt, was habe ich denn in der Kindheit besonders gerne und auch vielleicht besonders gut gemacht? Das finde ich auch hilfreich.

Steffi Schwarzack: Ja, spannend. Mich würde jetzt nochmal interessieren, du hast gesagt, du hast dich für Schönheit geöffnet. Was ist denn jetzt Schönheit? Wann ist jemand schön?

 

Simone Förster: Ich finde, das ist ein total subjektives Thema, weil wenn du zum Beispiel in Westdeutschland oder in, Quatsch Westdeutschland, Westeuropa

Steffi Schwarzack: Da vielleicht auch.

Simone Förster: Da ist das Schönheitsideal aktuell zum Beispiel das einer schlanken Frau und an das Aussehen einer schlanken Frau werden verschiedene Attribute geknüpft, wie zum Beispiel Intelligenz, Kompetenz und so weiter. Aber wenn du in andere Länder gehst, zum Beispiel Hawaii oder Afrika, da bist du als rundliche Frau total begehrt. Also da ist ein anderes Schönheitsideal, das heißt das ist kulturell total unterschiedlich und auch wie gesagt sehr subjektiv. Weil Schönheit ist für mich etwas, wenn es einen besonders angenehmen Eindruck hinterlässt und das ist nun mal für jeden etwas anderes. Das ist ganz gleich, ob es eine Person ist oder ob es Tanz, Gesang, Kunst oder auch irgendeine haptische Erlebnis ist, eine Berührung. Schönheit definiert jeder anders für sich. Das Problem, was ich sehe, ist, das ist das des Schönheitsideals. Schönheit per se ist eher etwas wie gesagt Subjektives. Aber ein Schönheitsideal wird von der Gesellschaft, von gesellschaftlichen Konventionen geprägt und mit so einem Schönheitsideal rutscht man automatisch in die Bewertungsschiene. Das ist natürlich „gefährlich“, weil dann sind wir in der Situation, dass viele Frauen sich nicht mehr sehen und spüren, weil sie mit diesem Schönheitsideal rein gar nichts zu tun haben. Dann kommen diese Dissonanzen und man fühlt sich nicht mehr schön.

Steffi Schwarzack: Es gibt ja auch Studien, die sich mit Wirkung beschäftigt haben, die zum Beispiel festgestellt haben, also dieser Hallo-Effekt, wenn man ein Merkmal wahrnimmt, zum Beispiel das von Attraktivität oder von einer äußeren Schönheit, dass man dann auf andere Merkmale schließt, zum Beispiel Intelligenz oder was auch immer.

Simone Förster: Richtig.

Steffi Schwarzack: Naja, wenn man sich ein bisschen mit solchen Studien beschäftigt und dann nicht diesem Ideal entspricht, dann denkt man auch so: Ah, was mache ich jetzt, wenn mein Gesicht beispielsweise nicht symmetrisch ist, was auch ein Zeichen für …

Simone Förster: Was ja eigentlich in 80 Prozent der Fälle so ist.

Steffi Schwarzack: Gut, dass du es sagst. Womit man eben dann nicht so dieser Schönheit entspricht. Deswegen, da steckt so ein bisschen die Frage: Was mache ich da? Und die zweite Frage, man soll ja nie zwei Fragen auf einmal im Interview stellen, ich stelle sie dir trotzdem: Was, jetzt habe ich zu viel geredet, jetzt ist sie weg. Die kommt dann. Also was mache ich, wenn ich nicht …

Simone Förster: Du solltest nur eine Frage stellen, Steffi.

Steffi Schwarzack: Ja, Genau. Dann nehmen wir diese eine erstmal. Soll ich sie dir nochmal stellen?

Simone Förster: Du meinst, was …? Ja bitte.

Steffi Schwarzack: Was mich interessiert, ist tatsächlich, was tue ich denn, wenn ich jetzt genau in diesem Konflikt bin von dieser inneren Bewertung, ich entspreche nicht diesem Schönheitsideal, was von Symmetrie geprägt ist und das hindert mich jetzt vielleicht daran Videos zu machen, die eigentlich mich in meinem Business weiterbringen würden?

Simone Förster: Ja. Ich würde sagen: Komm zu mir, ich finde garantiert etwas Schönes an dir. Das ist eine meiner Spezialitäten. Aber klar, Spaß beiseite. Ich finde auch da geht der Weg wirklich über das Innere. Darüber, dass du Selbstbewusstsein aufbaust, dass du dir Zufriedenheit schaffst, weil wenn du das erreichst, dann hast du wirklich auch eine ganz andere Ausstrahlung. Es geht hier nicht mehr so sehr darum, ob dein Gesicht jetzt symmetrisch ist oder nicht. Manchmal bedarf es da auch wirklich einer Hilfe von außen. Ich erinnere mich an ein 15-jähriges Mädchen, also die Mutter dieses Mädchens ist eine Kundin von mir und die hat sich relativ verzweifelt an mich gewandt und hat gesagt, meine Tochter hat eine Hasenscharte und die findet sich furchtbar hässlich und was kann man denn da tun? Die war aber noch ein bisschen jung und auch nicht so bereit für das Coaching. Dann habe ich gedacht: Okay, dann nehmen wir den Weg über das Make-up. Ist ja klar, dass sie sich den Mund nicht schminken möchte oder wollte und sie hatte wunderschöne ganz große braune Kulleraugen und ich habe ihr wirklich ein sehr besonderes Augen-Make-up geschminkt und sie sah sich im Spiegel und fing sofort an zu weinen. Das Make-up war dann halb wieder weg, aber das war egal. Sie hatte sich gesehen und der wichtige Effekt war, sie hatte sich in dem Moment, als sie sich im Spiegel angeschaut hat, als schön empfunden und sie hat den Fokus darauf gelenkt, was an ihr schön ist und nicht den Fokus auf die Hasenscharte. Das würde ich auch als Tipp für zu Hause mitgeben. Schau einfach mal, was findest du denn schon schön an dir. Du kannst dich so anschauen, du kannst dich im Spiegel anschauen und einfach mal schauen, was gefällt mir schon richtig gut und fokussiere dich da drauf. Irgendwann wird es immer mehr werden, was du gut an dir findest.

Steffi Schwarzack: Ja super. Das ist genau das, was wir generell immer haben, dass wir eigentlich bei uns selber oft zu kritisch sind und immer auf die negativen Sachen fokussieren, egal ob es jetzt zum Aussehen geht oder auch um andere Aspekte (Simone: Absolut), beim Sprechen dann, beim Kommunizieren. Das finde ich auch immer eine gute Sache. Ich frage die Leute auch ganz oft: Was magst du denn an deiner Stimme oder an deinem Sprechen? Und sie sagen, sie können sich nicht leiden beim Hören oder was auch immer.

Simone Förster: Manchmal hilft dann natürlich auch, wenn man andere Menschen fragt. Also, wenn jetzt jemand nicht bereit ist, es gibt auch viele Frauen, die sich nicht im Spiegel angucken können, weder angezogen noch nackt, also gar nicht und die dann sofort in dieses Muster kommen alles zu kritisieren, was sie sehen. Dann kann man sehr gut mal Menschen fragen, die einem vertraut sind, enge Freunde, Familienangehörige, Menschen, die einem wohlgesonnen sind und sie bitten, dass sie mal 3 Dinge aufschreiben, die sie gut oder schön an dir finden. Das kann eine Eigenschaft sein, das kann aber auch was Äußerliches sein. Und wichtig ist, dass es schriftlich ist. Dann kann man wirklich Eigen- und Fremdwahrnehmung mal so ein bisschen abgleichen und da dran merkt man häufig, wie streng man mit sich ist, wenn man diese, ich mache das gerne per E-Mail, wenn ich dann Feedback per E-Mail kriege, denke ich so: Oh wow! So siehst du mich? (Steffi: Cool) Oh Dankeschön.

Steffi Schwarzack: Ja super. Ich kann das nur empfehlen. Ich habe dich jetzt vor ich glaube 2 Wochen selber in einem Mini Seminar erlebt, wo es um Schönheit und um Schminken ging und da hattest du das auch mit uns gemacht, dass wir uns gegenseitig da ein wunderbares Feedback aufschreiben durften und das steht jetzt noch auf meinem, also jetzt noch, das steht auf meinem Schreibtisch, damit ich mich daran erfreuen kann.

Simone Förster: Ja (unv.)

Steffi Schwarzack: Ja sehr gut. Du hast, als du die Geschichte von dem 15-jährigen Mädchen gerade erzählt hast, gesagt, sie hatte sich gesehen und was mich total getriggert hat, als ich auf deiner Homepage in Vorbereitung auf dieses Interview geschaut habe, war dein eigener Satz: Gesehen werden als die, die ich bin. Ich glaube so ganz tief, dass das ein großer Wunsch, ein großes Bedürfnis von uns Menschen ist, der uns immanent ist, dass wir als die gesehen werden, die wir sind und ich würde (Simone: Richtig) gerne noch ein bisschen darüber mit dir reden, was man da eben im Äußeren tun kann, aber auch im Inneren. Was kann man da selber noch tun dafür?

Simone Förster: Du meinst jetzt für die Beziehung mit dir selber?

Steffi Schwarzack: Ein Stück weit für die Beziehung, aber auch, dass ich es schaffe eben rauszutreten, also mein Motto heißt ja „Zeig dich und sprich“, also wie kann ich es schaffen rauszutreten und mir zu erlauben mich dann eben zu zeigen mit dem asymmetrischen Gesicht und trotzdem der inneren Schönheit?

Simone Förster: Ich glaub tatsächlich, es geht zuerst über das Innen und erst dann über das Außen wie zum Beispiel eine gute Pflege und ein gutes Make-up. Es ist ganz klar, dass du dich lieber auf Kamera siehst, wenn du schön gepflegt aussiehst. Ich meine das möchte irgendwie jeder. Keiner möchte unausgeschlafen und mit Augenringen vor einer Kamera sitzen.

Steffi Schwarzack: Ich kann das total gut nachvollziehen.

Simone Förster: Ich möchte das zumindest nicht und ich denke mal, vielen geht es auch so. Aber letztendlich, das ist das, was man später machen kann, da gibt’s bestimmte Techniken, wie du frisch vor der Kamera aussehen kannst, weil die Kamera, ich sage immer Camera is a bitch, die schluckt so viel Farbe und das ist relativ einfach zu handeln. Aber was ich viel wichtiger finde, ist, ich sehe manchmal Menschen, die vor Kamera, jetzt zum Beispiel beim TED-Talk oder auch immer, die dem gängigen Schönheitsideal nicht entsprechen. Also das, was die Gesellschaft definiert, die aber für mich wahnsinnig schön sind und mich im tiefsten Herzen berühren. Ich habe mal rausgefunden für mich, dass die alle in sich ruhen. Die sind alle irgendwie auf eine gewisse Art und Weise zufrieden mit sich und haben so diese Einstellung: So what. Vielleicht habe ich eine schiefe Nase, vielleicht habe ich Segelohren, ich geh trotzdem raus. Ich glaube, dass es einfach wichtig ist erstmal an diesem Innen zu arbeiten und sich nicht von Äußerlichkeiten alleine definieren zu lassen. Also um es ein bisschen greifbarer noch zu machen, ich habe ein Beispiel von mir selber, ich singe sehr gerne Flamenco und mache das mit großer Leidenschaft und es ist mir eigentlich in dem Moment egal, dass ich jetzt nicht dem klassischen Schönheitsideal einer schlanken Frau entspreche, sondern ich singe in dem Moment (Steffi: Wunderbar) und ich tue nichts anderes. Ich singe und fühle. Trotzdem habe ich mal die Rückmeldung bekommen, dass das doch sehr mutig sei mit so einem Gewicht auf die Bühne zu gehen. Und ich denke einfach, das ist für mich nicht relevant, weil es ist mir in dem Moment wirklich egal. Das ist so, da ist so eine innere Ruhe und so eine Leidenschaft in mir und das habe ich mir aber auch sag ich jetzt mal erarbeitet. Vor 5 Jahren hätte ich das vielleicht noch nicht gekonnt, da hätte gedacht: Okay, ich gehe wieder runter von der Bühne. Aber jetzt denke ich: Ich bin doch so viel mehr als mein Körper oder mein Aussehen. Ich habe auch eine Botschaft.

Steffi Schwarzack: Ich fand es so schön. Ich glaube, das war vor über einem halben Jahr als ich das bei dir da erleben durfte das Singen. Ich fand es schön, innen und außen schön.

Simone Förster: Stimmt. Ja. Das war, Dankeschön.

Steffi Schwarzack: Du hast für uns mal gesungen. Ja. Das war entzückend. Vielleicht aber für die, die jetzt sagen: Okay, du hast es so schön auf den Punkt gebracht, Camera is a Bitch. Was kann ich denn jetzt tun, damit die Kamera auch einen schönen Blick auf mich bekommt? Weil das ist auch meine eigene Erfahrung, meine eigene Geschichte, vorm Spiel gucke ich mich ganz gerne an, aber als ich mich letztens für ein paar Aufnahmen auf Video gesehen habe, war ich doch schockiert, wie ungünstig mich das Video aufgenommen hat.

Simone Förster: Ja, das ist echt, da sagst du was ganz Richtiges, das kann mitunter sehr, sehr frustrierend sein. Ein ganz einfacher Tipp ist einfach: Wenn du weißt, du hast ein Interview oder du hast irgendwas, wo du vor der Kamera stehst, achte auf die Basics wie ausgeschlafen sein, genug getrunken. Das macht sich einfach in der Haut bemerkbar. Gönne dir an dem Tag oder am Vorabend auf jeden Fall eine schöne Maske, dass dein Hautbild ausgeglichen und ebenmäßig ist. Was auch häufig vergessen wird, sind die Lippen. Also selbst, wenn man keinen Lippenstift trägt, die sollten einfach geschmeidig sein, da sollten nicht irgendwelche, viele Frauen haben trockene Lippen, das sieht man dann sehr ungünstig auf der Kamera. Wenn es dann zum Thema Make-up geht, also auch Frauen, die sonst sagen, „nee ich bin kein Make-up Typ und ich mag das nicht“, vor der Kamera ist es einfach notwendig. Du kannst und du solltest dich immer etwas mehr schminken als wie dein normales Make-up ist sozusagen. Also ein Kamera-Make-Up muss tendenziell kräftiger sein. Du kannst es sehr gut abgleichen, wenn du dich im Monitor nochmal anschaust, bevor du anfängst zu drehen. Das ist einfach wichtig. Was du vermeiden solltest bei einem Kamera-Make-up, ist zu viel Glanz, weil das wiederum steckt dich beim Betrachter unbewusst in die Schublade inkompetent, wenn du zu stark glänzt im Wangenbereich oder auf dem Nasenrücken, Stirnbereich.

Steffi Schwarzack: Ah ja, das ist ziemlich spannend.

Simone Förster: Die üblichen Stellen, wo man eigentlich sonst zum Beispiel für ein Fotoshooting oder auch für ein bestimmtes besonderes Make-up würde man da Highlights setzen auf diese Stellen, für ein Kamera-Make-up bitte nicht.

Steffi Schwarzack: Wow! Okay, das ist nochmal ein spannender Tipp. Du hattest auch in unserem Workshop auch sowas gesagt, auch über die Wirkung von roten Wangen gesprochen und …

Simone Förster: Ja genau. Das ist auch eine Sache, wenn du jetzt zum Beispiel denkst: Okay, ich schminke mich sonst nicht, aber heute für die Kamera lege ich mal Rouge auf und dann bist du vielleicht noch aufgeregt und dann kriegst du sowieso rote Wangen. Das ist eher ungünstig. Also schon dann ein richtiges Make-up mit einer Unterlage, mit einer Foundation, mit Puder. Es kann absolut typgerecht sein, wenn du der natürliche Typ bist, aber für die Kamera etwas stärker, weil die einfach wie auch Foto, eine Fotokamera, eine Videokamera schluckt einfach sehr viel Farbe.

Steffi Schwarzack: Ich kann jetzt noch erzählen, ich bin auch so der Typ, der das natürlich mag und habe jetzt erlebt, wie wir eben gelernt haben uns ganz minimalistisch zu schminken und welchen Effekt das hatte. Ich fand, du hast echt aus den Leuten damit nochmal eine ganz besondere Schönheit hervorgekitzelt, weil die ganz ebenmäßig dann wirkte. Ich war wirklich begeistert die ganzen Gesichter der Menschen danach zu sehen.

Simone Förster: Das freut mich total und das, was du sagst, das ist mir total wichtig. Mir geht es in meiner Arbeit nur darum dieses Licht rauszustellen, diese Schönheit, die sowieso schon da ist, rauszustellen und sichtbar zu machen. Das geht mit vielen kleinen Tricks, aber die Schönheit ist schon da. Es geht nur da drum, dass sie von der Frau selber wahrgenommen wird und da ist Make-up oft einfach eine Hilfe und dann kann sich die Frau im Spiegel angucken und sagen: Hey, sieht ja gut aus. Irgendwann schafft sie das auch, sich selber ohne Make-up zu sagen, das ist dann das Tolle. Es ist also wie eine Gehhilfe manchmal.

Steffi Schwarzack: Ein schöner Vergleich.

Simone Förster: Und es geht überhaupt nicht darum, zu überdecken, anzumalen, zuzukleistern, das ist nicht meine Sparte.

Steffi Schwarzack: Jetzt habe ich den ein oder anderen männlichen Hörer unter den Zuhörern. Hast du auch einen Tipp, wie die vor der Kamera oder auch für den Bühnenauftritt sich da trotzdem ins gute Licht richten, auch wenn sie jetzt vielleicht nicht mit Rouge rangehen wollen?

Simone Förster: Ich habe durchaus auch immer mal wieder Männer, die für sowas anfragen und bei denen geht’s halt wirklich in erster Linie um die Pflege des Hautbildes, dass sie dann Pflege machen, die zu ihrem Hautzustand passt, dass sie einfach ein bisschen frischer aussehen. Man kann bei Männern sehr, sehr gut auch mal ein leicht getöntes Puder, wenn es jetzt nicht ein ganz heller Hauttyp ist, aber so ein mittlerer Hautton oder ein dunklerer Hautton kann einen leicht getönten Puder, ein Seidenpuder, der ein bisschen mattiert, weil wie gesagt vor der Kamera glänzen, ist nicht so schick. Man kann zum Beispiel ein bisschen Augenbalsam auf die Wimpern geben, dass die einfach kraftvoller und glänzender erscheinen, aber das ist so ein sanftes Glänzen, da ist es nicht schlimm. Was bei Männern immer sehr hilfreich ist, ist Augenschatten abdecken. Das mache ich tatsächlich mit dem gleichen Conseiller, den ich bei Frauen verwende, also Conseiller oder Abdeckstift genannt. Das ist wirklich immer sehr gut für die Herren der Schöpfung.

Steffi Schwarzack: Ah ja super, dann freuen die sich vielleicht auch, wenn die das jetzt hören durften. Super. Simone, was mich noch interessieren würde: Wie war denn dein eigener Weg beim Sprechen? Wie bist du mit deiner eigenen Stimme, deinem eigenen Sprechen warm geworden und in diese „Ich gehe damit raus Welt“ gekommen?

Simone Förster: Ja, das hat tatsächlich viele, viele Jahre gedauert. Ich hatte mit circa, ich glaube 12 oder 13 war es, eine Operation an meinen Stimmbändern, da war ein Geschwür drauf und danach ist meine Stimme sehr krächzig und sehr hoch geworden. Was dazu geführt hat, ist natürlich auch nicht das beste Alter so als Teenager, dass ich sehr, sehr stark und viel gehänselt wurde wegen meiner Stimme und fortan beschlossen habe: Okay, dann reduziere ich das irgendwie so auf ein Minimum. Das ging aber gegen meine Persönlichkeit, weil ich bin ein Mensch, der liebt Sprache, der liebt sprechen, ich bin extrovertiert und ich verbinde auch sehr viel mit Sprache, weil ich auch Übersetzerin bin. Das heißt ich habe viele Jahre so ein bisschen in so einem, ich weiß gar nicht wie ich das sagen soll, also die eine Seite wollte raus und die andere Seite war vorsichtig, weil sie dachte: Ah, rede mal nicht zu viel, rede mal nicht zu laut, weil sonst kriegst du wieder eins auf den Deckel wegen der Stimme. So richtig gelöst hat sich das erst als ich lyrische Sprachgestaltung angefangen habe und die Lehrerin meinte, wow, du hast ja eine ganz besondere tolle Stimme und dann auch durch den Flamenco-Gesang, weil da war es mir nicht wichtig irgendwas zu beweisen oder gut zu sein oder gut zu singen, da wollte ich einfach nur mein Gefühl ausdrücken. Jetzt bin ich tatsächlich wirklich in Frieden mit meiner Stimme und es ist mir relativ egal, was jemand anderes darüber denkt. Sie ist ein bisschen tiefer geworden, aber ich glaube, sie ist immer noch irgendwie special und ich stehe dazu und ich freue mich an meiner Stimme.

Steffi Schwarzack: Das ist wunderbar. Ich finde sie ganz special, ich finde sie aber ganz warm und nicht, was hattest du gesagt? Hoch und krächzig?

Simone Förster: Das war sie mal. Ja.

Steffi Schwarzack: Das ist total schön zu hören, dass du in Frieden mit gekommen bist.

Simone Förster: Absolut.

Steffi Schwarzack: Ich hoffe einfach, dass wir den Hörern heute hier auch wirklich zeigen konnten, egal, woran man sich gerade bei sich selber aufhängt oder womit man ein Thema hat, man kann in Frieden damit kommen.

Simone Förster: Ja und es ist einfach wichtig. Ich habe mir irgendwann die Frage gestellt: Möchtest du jetzt den wenigen Leuten, die auf dir rumhacken wegen deiner Stimme, den möchtest du doch gar nicht gefallen. Du machst es doch weil’s dir Freude macht. Jetzt zum Beispiel Sprechen oder Videos drehen oder singen. Als ich diesen Schalter umgelegt hatte, dass ich es wirklich nur für mich mache, das war der Moment, wo es bergauf ging.

Steffi Schwarzack: Schön. Dann vielen Dank dafür, auch dafür, dass du das auch geteilt hast von deiner Geschichte.

Simone Förster: Total gerne.

Steffi Schwarzack: Wenn du jetzt nur noch eine Botschaft sozusagen mitgeben könntest, wie man jetzt seinen eigenen Weg finden kann zwischen Natürlichkeit, aber auch diese Schönheit hervorfinden, was gibst du jemandem noch mal zum Abschluss so mit?

Simone Förster: Wenn ich nur eine Sache sagen dürfte, dann würde ich sagen: Finde heraus, wer du bist. Das geht auch auf die verschiedensten Arten und Weisen. Aber, dass man nicht so viel nach links und rechts schielt, weder auf das Schönheitsideal, was die Medien propagieren, noch auf die Freundin, weil die Freundin ist die Freundin, die Freundin ist nicht du, und sich einfach noch mehr bewusstmachen, ich bin die, die ich bin und ich habe Besonderheiten und die einfach auch mal zu erkennen, anzunehmen und dann auszuleben. Weil ich sage immer auch mein Kundinnen: Es gibt nur eine Angelika. Es gibt keine andere, es gab noch nie eine andere und es wird auch keine andere geben mit deinem Impact. Und ich würde empfehlen, dass wir mit diesem ständigen Vergleichen aufhören und uns besinnen auf das, was wir mitbringen und dann kann man wie gesagt mit der inneren Schönheit oder mit der äußeren Schönheit arbeiten und schauen, wie man das am besten rausstellt.

Steffi Schwarzack: Ich finde das einen total wichtigen Ansatz. Ich nehme für mich selber jetzt da nochmal ganz viel Inspiration auch mit, weil das ist für mich als Frau natürlich auch immer wieder mal ein Thema. Was ich aber definitiv den Hörern jetzt hier noch empfehlen kann, du hast es vorhin so charmant gesagt, dass sie zu dir kommen sollen. Ich kann das jetzt, nachdem ich dich in dem Workshop erlebt habe, oder ich hätte es wahrscheinlich vorher auch schon gesagt, aber jetzt habe ich dich auch erlebt, jetzt kann ich das unterstreichen, ich kann das tatsächlich empfehlen, dass man einfach zu dir kommt und ich werde jetzt zum Blogbeitrag, zu diesem Interview, auf deine Seite verlinken und kann das nur unterstreichen. Weil aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ihr Hörer jetzt bei Simone auf einen ganz warmen Coach trefft, der euch da ganz wunderbar begleitet. Das wollte ich jetzt noch an der Stelle sagen dann.

Simone Förster: Oh, vielen, vielen Dank!

Steffi Schwarzack: Dann sage ich dir vielen Dank für Deine Zeit und für diese vielen Tipps, die du gegeben hast, die mal so leicht dazwischen daherkamen. Ich nehme auch ganz neue Sachen mit, das mit dem Trinken und Ausschlafen vor dem Interview war für mich bisher nicht auf der Prioritätenliste. Das finde ich aber total gut jetzt.

Simone Förster: Mir fällt spontan noch was ein, wenn ich das ergänzen darf zu der Kamerapräsenz und so. Auf jeden Fall, was auch wichtig ist, gut, meistens sieht man nur den Rumpf, aber habe auf jeden Fall ein Outfit an, in dem du dich wohlfühlst und auch eine Farbe, in der du dich wohlfühlst. Also nicht jetzt denken: Ach für das Interview ziehe ich mal die rote Bluse an, aber sonst trägst du nie rot. Wirklich da auch nach dem Gefühl gehen, nach deinem Farbempfinden. Auch genauso wie bei der Kleidung transportiert Make-up auch immer eine Botschaft. Das heißt, was du mit deiner Kamerapräsenz ausdrücken möchtest, sollte auch zu deinem Aussehen passen. Sonst kriegt der Zuschauer zwei verschiedene Botschaften.

Steffi Schwarzack: Ja schön, das nehmen wir noch als Bonustipp sozusagen jetzt hier mit. Dann herzlichen Dank an dich, Simone, für deine Zeit, für die vielen Tipps und für die tollen Geschichten, die du zwischendurch erzählt hast. Du bist jetzt also hier nicht nur ein Beispiel für Schönheit, sondern auch für Storytelling. Vielen Dank!

Simone Förster: Ich danke dir, Steffi. Es war richtig schön. Es war richtig schön mit dir. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Steffi Schwarzack: Super.